Sonntag, 19. Februar 2012

Gaston Leroux - Le Fantôme de l'Opéra



erschienen 2011 bei La Bibliothèque du Collectionneur (ursprünglich um 1909/1910 im Le Gaulois)
412 Seiten
ISBN 978-2-35287-254-2


HIER geht es zu den Rezensionen der Musicalverfilmung von 2004 und des Stummfilms von 1925.


Le Fantôme de l'Opéra ist die Vorlage zahlreicher Filme und Bühnenfassungen, darunter natürlich auch das gleichnamige Musical von Andrew Lloyd Webber, das wohl nahezu jedem ein Begriff ist.
Im Mittelpunkt dieses Romans steht der junge Vicomte Raoul, der hoffnungslos in die aufstrebende talentierte Opersängerin Christine Daaé verliebt ist, seit sie sich als Kinder kennen lernten und die er nun in der Pariser Opéra Garnier wieder trifft. Doch Christine, die ihm früher so nahe stand, scheint ihn nicht mehr zu kennen und nimmt ihn überhaupt nicht wahr. Gleichzeitig häufen sich mysteriöse Ereignisse und unerklärliche Unfälle in dem prunkvollen Opernhaus und es geht das Gerücht um, ein Phantom stecke dahinter.
Hinter dem Phantom verbirgt sich jedoch eine Gestalt aus Fleisch und Blut, der stark entstellte Erik, der in den verwinkelten Gewölben der Oper sein Dasein fristet und der ebenfalls von einer leidvollen und beinahe fanatischen Liebe zu Christine Daaé erfüllt ist.

Es ist eine sehr klassische Geschichte. Zwei Männer, die von tiefster Liebe zu einer Frau ergriffen sind. Auf der einen Seite Raoul, der eher schüchterne Spross einer alten Adelsfamilie, der unter dieser Liebe und all ihren dunklen Geheimnissen und Schattenseiten furchtbar leidet, der sich lange Zeit nicht sicher ist, ob seine Liebe zu Christine auch wirklich erwidert werden kann.
Und auf der anderen Seite Erik, das Phantom, der mir von den Charakteren in dieser Geschichte fast der liebste geworden ist. Eine unheimlich traurige und einsame Gestalt, die sich nur wünscht, zu lieben und ebenso geliebt zu werden und die in Folge dessen beinahe schon dem Wahn verfällt. Doch gleichzeitig scheint Erik manchmal auch so einfühlsam und sanft, dass ich ihn als einen der stärksten Charaktere empfunden habe.
Doch auch die anderen, Christine und auch der Perser, der für mich fast schon eine mysteriöse Rolle innehat, haben es mir angetan.

Es ist eine dramatische Geschichte voller Liebe und besitzergreifender Eifersucht, Einsamkeit, Hass und Schmerz. Meistens ist es eine dunkle Geschichte. Allerlei Geheimnisse trennen Personen und führen andere zusammen. Dunkle labyrinthartige Gänge warten in den Eingeweiden der Oper, Geheimtüren und Spiegelkabinette. Doch immer wieder zeigt sich auch, dass in dem Monster ein Mensch mit Gefühlen steckt und ich habe mit Erik mitgelitten und mitgefiebert und wusste selbst nicht, was für einen Ausgang ich mir in dieser Geschichte wünschen würde.

Auch wenn Gaston Leroux immer wieder betont, dass er nichts erfunden habe und seinen Roman mit allerlei Anmerkungen und Tagebucheinträgen spickt, ist natürlich fraglich was nun erfunden ist und was nicht, denn Fakt ist, dass einige der beschriebenen Geschehnisse tatsächlich so oder so ähnlich geschahen, beispielsweise der Fall des Kronleuchters während einer Vorstellung der sogar ein Todesopfer forderte und auch ein unterirdisches Wasservorkommen gibt/gab es unter den Gewölben der Oper, die tatsächlich so verwinkelt und labyrinthartig wie beschrieben sein sollen.
Ich glaube, manchmal würde ich gern daran glauben, dass es tatsächlich ein solches Phantom in der Opéra Garnier gab. Das verleiht diesem Ort noch mal eine ganz eigene Magie.

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